Rethinking Insolvency Fragmentation in the EU
cepStudie

Finanzmärkte

Rethinking Insolvency Fragmentation in the EU

Dr. Anastasia Kotowski, LL.M.
Dr. Anastasia Kotowski, LL.M.
  • Zersplitterte nationale Insolvenzregeln erhöhen Rechtsunsicherheit und schrecken Investoren ab.
  • Insolvenzverfahren dauern in der EU bis zu 3,5 Jahre und Gerichtskosten verschlingen bis zu 15 Prozent des Insolvenzvermögens.
  • Das cep schlägt eine Vier-Säulen-Reformstrategie vor, darunter ein freiwilliges europäisches „28. Regime“ für grenzüberschreitende Insolvenzfälle

Die Europäische Union will ihre Kapitalmarktunion vertiefen, um Investitionen zu erleichtern. Doch ein zentraler Baustein fehlt: ein verlässlicher Rahmen für Unternehmensinsolvenzen. Während auf europäischer Ebene derzeit über ein sogenanntes „28. Regime“ im Gesellschaftsrecht diskutiert wird – etwa in Form einer neuen europäischen Unternehmensform („EU Inc.“) – spielt das Insolvenzrecht bislang nur eine Nebenrolle. Aus Sicht des Centrums für Europäische Politik (cep) greift dieser Ansatz zu kurz: Das stark fragmentierte Insolvenzrecht ist eines der größten Hindernisse für einen integrierten europäischen Kapitalmarkt. Das cep plädiert daher für eine Reformstrategie, die auch ein optionales europäisches „28. Insolvenzregime“ für grenzüberschreitende Fälle vorsieht.

cepStudie

Insolvenzverfahren dauern in der EU bis zu 3,5 Jahre, Gerichtskosten verschlingen bis zu 15 Prozent des Insolvenzvermögens. „Ohne klare und rechtssichere Insolvenzregeln können Investoren das Ausfallrisiko nicht seriös einpreisen“, sagt die cep-Juristin Anastasia Kotowski. Ineffiziente und langwierige Verfahren führten zudem zur Entstehung sogenannter Zombieunternehmen, wirtschaftlich nicht tragfähiger Firmen, die künstlich am Leben gehalten werden und Banken mit notleidenden Krediten belasten.

Trotz mehrerer Reformversuche bleibt das Insolvenzrecht in Europa stark fragmentiert. Die EU hat in den vergangenen Jahren wiederholt versucht, einzelne Aspekte zu harmonisieren. Eine vollständige Vereinheitlichung ist jedoch bislang ausgeblieben. Laut Kotowski verhindern politische Interessenunterschiede, begrenzte EU-Kompetenzen sowie tief verwurzelte wirtschaftliche, institutionelle und rechtliche Traditionen der Mitgliedstaaten bislang eine umfassende Harmonisierung.

Das cep empfiehlt daher einen Vier-Säulen-Reformansatz: eine gezielte Harmonisierung zentraler Elemente wie der Gläubigerrangfolge, stärkere Verzahnung mit der Finanzmarktregulierung sowie mehr Transparenz durch ein europäisches Insolvenzportal. Als weiteren Vorschlag bringt die Studie zudem ein optionales „28. Regime“ ins Spiel: ein freiwilliges europäisches Insolvenzrecht für grenzüberschreitende Fälle, das Unternehmen vertraglich wählen können. Ein solches System würde Rechtssicherheit schaffen, ohne nationale Rechtsordnungen zu ersetzen.

„Ein integrierter europäischer Kapitalmarkt braucht auch ein Mindestmaß an gemeinsamen Insolvenzregeln“, so Kotowski. Ein optionales europäisches Insolvenzregime könnte daher als eine Art „virtuelles Delaware“ für Europa funktionieren – ein gemeinsamer rechtlicher Rahmen für internationale Unternehmen, der Investitionen erleichtert.

PDF herunterladen

Rethinking Insolvency Fragmentation in the EU (veröff. 17.03.2026) PDF 724 KB Download
Rethinking Insolvency Fragmentation in the EU