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Finanzmärkte

Nordic Compass as a Model for Europe

Veröffentlicht am 03.11.2026

Philipp Eckhardt
Philipp Eckhardt
Dr. Anselm Küsters, LL.M.
Dr. Anselm Küsters, LL.M.
  • Am 4. und 5. November stellen mehr als 25 nordische Unternehmen und Stiftungen in Göteborg ihre ersten gemeinsamen Initiativen vor. Die Allianz kehrt die übliche Richtung der EU-Politik um: Unternehmen benennen selbst die Hürden und setzen eigene Mittel ein, bevor sie die Politik zum Handeln auffordern.
  • Eine gemeinsame nordische Börse wird für Schlagzeilen sorgen. Ob nordisches Kapital Grenzen überschreitet, ist aber auch von anderen Faktoren wie Quellensteuern, dem Insolvenzrecht oder der Ausgestaltung der Altersvorsorgesysteme abhängig; diese kann nur die Politik ändern.
  • Deutschland führt die E6-Gruppe großer EU-Volkswirtschaften an, hat darin aber keinen nordischen Partner. Das cep empfiehlt deshalb einen E6-Nordic-Dialog zu Kapitalmärkten und Rohstoffen.

Berlin/Helsinki: Während die US-Zwischenwahlen die politische Aufmerksamkeit binden, präsentiert die Industrieallianz Nordic Compass in Göteborg ihre ersten Initiativen. Unter dem Vorsitz des früheren finnischen Ministerpräsidenten Jyrki Katainen will sie den Draghi-Bericht schneller umsetzen, als es die EU-27 vermag. Das Centrum für Europäische Politik (cep) untersucht, ob diese „Umsetzung von unten“ ein Modell für Europa sein kann.

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Zwei Jahre nach dem Draghi-Bericht fehlt es Europa nicht an Diagnosen, sondern an konkreter Umsetzung. In Brüssel konsultiert die Kommission, legt Gesetze vor und versucht anschließend, zu vereinfachen. Nordic Compass dreht diese altbekannte Reihenfolge um: Die Unternehmen fragen zuerst, was sie selbst ändern können; die Regierungen kommen erst dort ins Spiel, wo Recht im Weg steht. „In den nordischen Ländern ist Wettbewerbsfähigkeit kein Selbstzweck, sondern die ökonomische Grundlage des Wohlfahrtsstaats“, sagt Anselm Küsters, Wissenschaftlicher Direktor cep Nordic Countries. „Kleine offene Volkswirtschaften mussten Größe schon immer grenzüberschreitend organisieren. Nordic Compass wendet diese alte nordische Gewohnheit auf Draghis Agenda an.“ Deutsche Debatten über Wettbewerbsfähigkeit enden meist mit einer Forderung an Berlin oder Brüssel. Göteborg liefert einen anderen Ausgangspunkt: Unternehmen, die zuerst fragen, was sie selbst ändern können.

Beim ersten Gipfel der Allianz wird der Kapitalmarktstrang im Mittelpunkt stehen. Nordische Pensions- und Staatsfonds verwalten Berichten zufolge knapp 4 Billionen US-Dollar; in Dänemark entsprechen die Pensionsvermögen 192 Prozent des BIP, in Deutschland gerade einmal 12 Prozent. Doch dieses Kapital bleibt auf nationale Märkte verteilt. „Eine gemeinsame nordische Börse würde für Schlagzeilen sorgen. Ob ein schwedischer Pensionsfonds aber einen finnischen Small Cap kauft, entscheiden auch andere Faktoren, etwa Quellensteuern, Insolvenzregeln oder die Vorgaben für professionelle Investoren“, betont Philipp Eckhardt, Fachbereichsleiter Finanzmärkte und Informationstechnologien am cep. „Als früher Nutzer der geplanten EU-Lizenz für paneuropäische Marktbetreiber könnte ein nordischer Handelsplatz zeigen, dass die Spar- und Investitionsunion in der Praxis funktioniert“, so Eckhardt. Eine Fusion der Börsen wäre zudem ein früher Testfall für die überarbeiteten Leitlinien der Kommission zur Fusionskontrolle.

Für Deutschland legt die Initiative eine wertvolle Gruppe strategischer Partner nahe. Berlin setzt aktuell mit der E6 auf Tempo von oben, doch kein nordischer Staat gehört dieser Gruppe an. Nordic Compass steht dagegen grundsätzlich allen Unternehmen offen, die in mehr als einem nordischen Markt aktiv sind, also auch deutschen Firmen. „Die Debatte über ein Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten war bislang eine Debatte unter Regierungen“, resümiert Küsters. „Göteborg zeigt, dass Tempo auch von unten kommen kann. Deutschland wäre gut beraten, beide Wege zu nutzen, angefangen bei Kapitalmärkten und kritischen Rohstoffen.“

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