Pressemitteilung 15/2026
cep-Studie: Elektrifizierung Europas muss auf der politischen Agenda ganz oben stehen
Berlin/Freiburg. Der Iran-Krieg hat es deutlich gezeigt: Europa muss unabhängiger von den globalen Öl- und Gasmärkten werden. Die Elektrifizierung des Energieverbrauchs ist dafür die zentrale Voraussetzung. In einer aktuellen Studie plädiert das Centrum für Europäische Politik (cep) für eine auf Investitionsrisiken fokussierte Förderpolitik und einen Vorrang für marktbasierte Lösungen.
Der Elektrifizierungs-Aktionsplan der EU-Kommission, der voraussichtlich bis Mitte 2026 verabschiedet wird, ist ein zentraler Baustein, um die EU-Klimaziele zu erreichen. Das Ziel der Kommission ist es, den Anteil von Strom am Endenergieverbrauch bis 2030 auf 32 % zu steigern.
Das cep warnt jedoch davor, für das Erreichen der Ziele die Strompreise durch staatliche Eingriffe künstlich zu verzerren: „Markteingriffe senden falsche Signale und behindern die effiziente Transformation des Energiesystems. Anstatt Preise zu manipulieren, sollte die Politik marktbasierte Absicherungsinstrumente stärken“, erklärt cep-Energieexperte André Wolf. Konkret fordert er den Abbau regulatorischer Barrieren für Terminmärkte, die europaweit liquider und zugänglicher werden müssen, um Unternehmen effiziente Preisabsicherung zu ermöglichen. Auch die Förderung langfristiger Strombezugsverträge, sogenannter Power Purchase Agreements (PPA), ist essenziell, um Investitionen in erneuerbare Energien mit der industriellen Stromnachfrage zu koppeln.
Staatliche Strompreisbeihilfen sollten auch weiterhin im Umfang klar begrenzt und an Konditionalitäten gekoppelt bleiben. Zugleich braucht es Sicherheit über die Zukunft von Beihilfemaßnahmen für die Zeit nach 2030. Ein langfristiger Beihilferahmen ist notwendig, um Investitionen in die Dekarbonisierung nicht im Keim zu ersticken.
Für ein effektives Management bestehender Engpässe bei den Stromnetzanschlüssen sind EU-weit einheitliche Priorisierungskriterien sinnvoll. Diese sollten die systemische Rolle von industriellen Stromnachfragern bei der Integration erneuerbarer Energie berücksichtigen. „Große industrielle Verbraucher sind entscheidend für die Integration volatiler erneuerbarer Energien und somit für die Stabilität des gesamten Systems“, sagt Wolf.