Presseinformation 6/2026
Buy European: cep fordert Beschränkung auf strategische Transformationstechnologien
Berlin/Freiburg. Mit dem Industrial Accelerator Act (IAA) möchte die EU-Kommission die Nachfrage nach emissionsarmen Technologien und Produkten aus europäischer Herstellung steigern. Das Centrum für Europäische Politik (cep) bewertet in einer Studie die Potenziale und Risiken der von der Kommission vorgeschlagenen „Buy-European“-Vorgaben.
Die Studie untersucht die wirtschaftlichen Effekte einer „Buy-European“-Strategie für vier zentrale Netto-Null-Technologien: Lithium-Ionen-Batterien, Elektrolyseure, Wärmepumpen und Photovoltaikmodule. Dabei wird simuliert, welche Einkommenseffekte eine vollständige Umstellung auf EU-interne Fertigung bei den zentralen Produktionsschritten dieser Technologien bis zum Jahr 2030 hätte.
„Eine öffentliche Nachfrage kann grüne Technologien aus Europa fördern, doch sollte die EU bei der Festlegung verbindlicher „Made in Europe“-Kriterien einen vorsichtigen Ansatz verfolgen“, bewertet der cep-Ökonom André Wolf das Vorhaben. Eine Gefahr besteht in der Verteuerung und der politischen Erzeugung von Lieferengpässen. Daher sollte sich die Kommission zunächst auf eine begrenzte Anzahl schwer zu ersetzender transformativer Technologien konzentrieren, die von hoher systemischer und strategischer Bedeutung sind und ein großes Potenzial für künftige kostensenkende Skaleneffekte bieten.
Eine Umstellung auf 100 % EU-Herkunft in zentralen Fertigungsstufen der vier wichtigen Netto-Null-Technologien würde allein im Jahr 2030 ein zusätzliches Wertschöpfungspotenzial von 43 bis 50 Milliarden Euro in der EU schaffen. Um diese Potenziale zu realisieren, muss die EU jedoch zugleich die gravierenden angebotsseitigen Hindernisse für eine Steigerung der heimischen Produktion angehen, insbesondere übermäßig komplexe Regulatorik, steigende Qualifikationsengpässe und den Mangel an entsprechend spezialisierten regionalen Fertigungsclustern.
Die Analyse deutet zudem darauf hin, dass sich positive Einkommenswirkungen sehr ungleichmäßig auf die Mitgliedstaaten verteilen würden, was die politische Akzeptanz gefährden könnte. Auch dieser Umstand spricht für eine beschränkte Einführung von „Buy-European“-Vorgaben.
Hintergrund
Die EU-Kommission hat am 4. März 2026 mit der Ankündigung von „Buy-European“-Regeln für Netto-Null-Technologien eine bedeutende wirtschaftspolitische Weichenstellung vorgenommen. Diese Maßnahme soll die heimische Produktion von Schlüsseltechnologien wie Elektrolyseuren, Wärmepumpen, Lithium-Ionen-Batterien und PV-Modulen stärken und so die grüne Transformation Europas vorantreiben. Dieser Schritt steht jedoch im Widerspruch zu den WTO-Regeln und markiert einen Bruch mit der EU-Rolle als Verfechterin eines regelbasierten Welthandels.