Wirtschafts- & Fiskalpolitik
Brüssel-Defekt statt Brüssel-Effekt
cepInput
Gemeinsam mit dem Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden (wvib Schwarzwald AG) hat das cep vierzig relevante Unternehmen befragt. Über zwei Drittel der Befragten müssen EU-Produktstandards – zumindest teilweise – auch beim Verkauf ihrer Produkte in Drittstaaten anwenden. Rund 70 Prozent bewerten dies absatzseitig als nachteilig für ihr Unternehmen. Über 90 Prozent der Unternehmen beklagen höhere Produktionskosten. „Der Brüssel-Effekt ist kein Wettbewerbsvorteil“, sagt cep-Ökonom Matthias Kullas. „Gerade bei Produktvorgaben überwiegen aus Unternehmenssicht die Kostensteigerungen und Flexibilitätsverluste mögliche Vorteile.“
Differenzierter fällt die Bewertung bei EU-Prozessvorgaben aus, etwa im Umwelt-, Daten- oder Arbeitsschutz. Hier ist die internationale Reichweite geringer, die Akzeptanz höher. 27,5 Prozent der Unternehmen sehen in der weltweiten Anwendung solcher Standards sogar einen Vorteil, insbesondere durch einheitlichere Wettbewerbsbedingungen und höhere Rechtssicherheit.
Eine begleitende Analyse von rund 200.000 EU-Dokumenten aus den Jahren 2012 bis 2025 zeigt zudem eine klare Diskrepanz zwischen der politischen Selbstbeschreibung der EU und der wettbewerblichen Wahrnehmung der Unternehmen. Der Brüssel-Effekt wird in strategischen Papieren überwiegend positiv dargestellt, während Hinweise auf Kosten oder Belastungen kaum auftauchen.
„Der Brüssel-Effekt wird politisch vor allem als strategischer Vorteil kommuniziert“, sagt Anselm Küsters, Fachbereichsleiter Digitalisierung und neue Technologien. „Die möglichen wirtschaftlichen Belastungen für Unternehmen bleiben dabei im Hintergrund.“
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| Brüssel-Defekt statt Brüssel-Effekt (veröff. 24.02.2026) | 762 KB | Download | |
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