Presseinformation 36/2026

Wasserstoffimporte: Europa muss neue Abhängigkeiten verhindern

Berlin/Freiburg. Europa droht beim Aufbau seiner Wasserstoffwirtschaft in neue Energieabhängigkeiten zu geraten. Das Centrum für Europäische Politik (cep) fordert in einer aktuellen Studie eine koordinierte europäische Wasserstoffimportstrategie, die Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und geografische Diversifizierung miteinander verbindet. 

Vorrangiges Ziel sollte laut cep-Energieexperte André Wolf sein, neue einseitige Abhängigkeiten bei Energielieferungen zu vermeiden. Eine gezielte Förderung der Wasserstofftransportinfrastruktur in Drittstaaten könnte die Zahl potenzieller Lieferländer deutlich erhöhen. Sie ist besonders sinnvoll in geografisch weiter entfernten Regionen mit großem Potenzial für erneuerbare Energien und stabilen institutionellen Rahmenbedingungen. Die Modellrechnungen der Studie zeigen, dass eine global aktive Infrastrukturförderung eine langfristige Marktdominanz von einzelnen Herkunftsregionen verhindert und zu einem diversifizierten Mix an Handelspartnern führt.

Die Studie fordert außerdem den Einsatz von wettbewerbsorientierten Doppelausschreibungen als zentrales Förderinstrument. „Um die anfänglich hohen Importkosten und die begrenzte Zahlungsbereitschaft der europäischen Industrie zu überbrücken, sollte das deutsche H2Global-Modell auf die gesamte EU ausgeweitet werden“, fordert Wolf. Der Staat überbrückt dabei die Preislücke zwischen den noch hohen Kosten für klimafreundlichen Wasserstoff und dem niedrigeren Preis, den deutsche Industrieunternehmen zu zahlen bereit sind.

Staatliche Investitionsgarantien gegen politische Risiken in den Herkunftsländern können ergänzend private Infrastrukturinvestitionen in Drittstaatenerleichtern und den Bedarf an direkten Subventionen für Importe verringern. Wolf warnt allerdings, dass ein unkoordinierter Einsatz solcher Garantien die Länderrisiken im deutschen Importportfolio erhöhen könnte. Er hält deshalb verbindliche Kriterien zur geografischen Diversifizierung der Garantievergabe sowie eine intensivere diplomatische Zusammenarbeit mit den Herkunftsländern für unverzichtbar. 

„Europa braucht keinen Subventionswettlauf, sondern einen strategisch abgestimmten Instrumentenmix.“ So lautet das Fazit der Studie. „Nur wenn Wettbewerb, gezielte Infrastrukturförderung und politische Risikoabsicherung ineinandergreifen, kann die EU eine kosteneffiziente und widerstandsfähige Wasserstoffversorgung aufbauen“.