PRESSESTATEMENT 130/2018

Noch mehr LKW auf Autobahnen und Straßen?

Zur Einigung der EU-Umweltminister auf strengere CO2-Grenzwerte für Lkw erklärt Martin Menner, Verkehrsexperte am cep: 

„Strenge CO2-Grenzwerte für LKW werden mit hoher Wahrscheinlichkeit zu mehr LKW-Verkehr führen. Diese Befürchtung hegen offensichtlich sogar die EU-Umweltminister, die die EU-Kommission beauftragen wollen, 2022 auch über etwaige Rebound-Effekte zu berichten.

Der Hintergrund: CO2-Zielvorgaben bieten keine Gewähr dafür, dass sich die CO2- Emissionen des Straßengüterverkehrs im gewünschten Ausmaß verringern. Denn die EU-Kommission erwartet sinkende Treibstoffkosten durch die höhere Kraftstoffeffizienz der Lkw. Sinkende Transportkosten lassen jedoch zusätzliche Fahrleistungssteigerungen („Rebound-Effekt“) erwarten. Das macht es fraglich, ob der CO2-Ausstoß wie erwartet zurückgeht.“ 

Die Minister hatten beschlossen, dass die CO2-Emissionen neuer Lkw der verbreitetsten Lkw-Typen im Vergleich zu den durchschnittlichen Emissionen von 1. Juli 2019 bis 30. Juni 2020 – bis 2025 um 15 % reduziert werden müssen. Sonst drohen Strafzahlungen von 4000 Euro pro Fahrzeug je g CO2 Emissionsüberschreitung pro Tonnenkilometer. 

Bis 2030 müssen die CO2-Emissionen dann um 30% reduziert werden, falls nach der Überprüfung der Richtlinie in 2022 nicht anders entschieden wird. Die Strafzahlungen erhöhen sich auf 6800 Euro.

Nach Einschätzung des cep sind die CO2-Zielvorgaben zu streng. Denn erstens wird das niedrigere Einsparpotential von Lkw im Vergleich zu Pkw und LNF nicht beachtet. Zweitens bleibt für die Erreichung der CO2-Zielvorgabe für 2025 ab Mitte 2020 – nach Bestimmung der Referenz-CO2-Emissionen – angesichts der langen Produktzyklen bei Lkw zu wenig Zeit. Drittens ist die CO2-Zielvorgabe für 2030 nur über eine verstärkte Produktion vollkommen emissionsfreier – batterieelektrisch oder mit Brennstoffzellen betriebener – Lkw erreichbar. Für den Lkw-Fernverkehr gibt es dafür jedoch noch keine ökonomisch tragfähigen Konzepte.

Deshalb ist ein auch die Kraftfahrzeuge einbeziehender Emissionshandel die wirksamste und die Entscheidungsfreiheit der Marktteilnehmer weniger einschränkende Alternative zu CO2-Grenzwerten. Durch die begrenzte Zertifikatemenge wird der CO2-Ausstoß gedeckelt und Rebound-Effekte stoßen so an ihre Grenze. Zudem bezieht er neben Neu- auch Altfahrzeuge in die Klimaschutzanstrengungen ein und ermöglicht die angestrebten CO2-Einsparungen kosteneffizient. Ein nach CO2-Emissionen gestaffelte Lkw-Maut wird auch überflüssig. Um CO2-Reduktionsziele im Straßenverkehr sicher und effizient zu erreichen, sollte die EU daher Raffinerien und Kraftstoffimporteure in ein Emissionshandelssystem (ETS) – wie das EU-ETS oder ein verkehrsspezifisches ETS – einbeziehen."

Nachfragen an: Dr. Martin Menner, menner@cep.eu , Tel. 0761 38693 242