Presseinformation 35/2026
Erdgasversorgung in Deutschland: Versorgungssicherheit langfristig denken
- Die Abhängigkeit von Spotmärkten erschwert die bezahlbare Versorgung.
- Für Lieferländer und Unternehmen ist derzeit schwer abzuschätzen, wie lange und in welchen Mengen Europa noch Erdgas benötigen wird.
- Das cep fordert daher langfristige Verträge mit Partnerländern, die heute Gas und künftig Wasserstoff liefern können.
Berlin/Freiburg. Die Füllstände der deutschen Erdgasspeicher liegen im Herbst 2026 deutlich unter den gesetzlich vorgesehenen Zielmarken. In der politischen und medialen Debatte wird eine schnelle Füllung der Speicherkapazitäten gefordert. Ende September hat Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche das bundeseigene Energieunternehmen SEFE angewiesen, bis zum 15. Dezember acht Terawattstunden Erdgas zu beschaffen und einzuspeichern. In einer aktuellen Analyse der Lage fordert das Centrum für Europäische Politik (cep) langfristige und flexible Lieferverträge, um eine bezahlbare und sichere Gasversorgung zu gewährleisten.
„Hohe Preise im Erdgas-Großhandel während der Sommermonate, zusätzlich getrieben durch geopolitische Einflüsse wie den Iran-Konflikt, sind die zentrale Ursache für die beobachtete Zurückhaltung bei der Einspeicherung“, sagt cep-Energieexperte Götz Reichert über die aktuelle Lage der Füllstände.
Deutschland ist von internationalen Spotmärkten abhängig, auf denen die Gaspreise stark schwanken können. Das erschwert die Planung und kann die Sicherung der Gasversorgung verteuern. Langfristige Lieferverträge können für mehr Planungssicherheit sorgen und Deutschland besser gegen plötzliche Engpässe und Preissprünge auf den internationalen Märkten absichern.
Neue langfristige Lieferverträge sind jedoch schwer abzuschließen, weil unklar ist, wie lange Europa größere Mengen Erdgas benötigen wird. Die Politik will den Verbrauch fossiler Energien reduzieren und gleichzeitig klimafreundliche Alternativen ausbauen. Wie schnell dieser Übergang gelingt, ist jedoch schwer vorherzusagen. Diese Unsicherheit erschwert langfristige Vereinbarungen mit Gaslieferanten und damit auch stabile Preise.
In Kooperation mit dem Handel sollte die Bundesregierung Möglichkeiten schaffen, langfristige Verträge flexibler zu gestalten. Neben politischen Partnerschaften mit Lieferländern sind dafür auch neue Vertragsmodelle denkbar: „Länder, die bereits Strategien für eine künftige Rolle als Wasserstoffexporteur entwickelt haben, sind gegenwärtig in vielen Fällen bedeutende Erdgasexporteure. Kombinierte Gas- und Wasserstofflieferverträge könnten den Grundstein für langfristige Transformationspartnerschaften Deutschlands mit diesen Ländern legen“ sagt cep-Ökonom André Wolf. Weitere Möglichkeiten wären die Förderung von Weiterverkaufsoptionen oder die partielle staatliche Absicherung von aus Bedarfsunsicherheit resultierenden Vertragsrisiken.