Presseinformation 3/2026

Reform der EU-Fusionskontrolle: Evolution vor Revolution

Berlin/Freiburg. In jüngster Zeit mehren sich die Stimmen, die eine Überarbeitung des EU-Rahmens zur Fusionskontrolle fordern. Die EU-Kommission plant, diesen Rahmen 2026 zu überarbeiten. Das Centrum für Europäische Politik (cep) diskutiert, wie eine solche Überarbeitung aussehen könnte, um Hindernisse für global wettbewerbsfähige Finanzmarktinfrastrukturen abzubauen. 

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat die EU-Fusionskontrolle – als eine der tragenden Säulen der europäischen Wettbewerbspolitik – wesentlich dazu beigetragen, dass Unternehmenszusammenschlüsse den Wettbewerb nicht verzerren und Verbraucher vor Nachteilen geschützt werden. Angesichts tiefgreifender Veränderungen in der Weltwirtschaft, eines neuen geopolitischen Umfelds und der Notwendigkeit, die strategische Autonomie Europas stärker in den Vordergrund zu rücken, will die Kommission die EU-Leitlinien zur Fusionskontrolle weiterentwickeln. Die bewährten Grundprinzipien des Wettbewerbs möchte sie dabei nicht infrage stellen.

Das cep untersucht in einer Studie Reformoptionen und lenkt den Fokus auf den Finanzsektor. Im Mittelpunkt stehen die Fragen, ob im Rahmen der Definition eines relevanten Marktes die globale Wettbewerbsfähigkeit der EU eine stärkere Rolle spielen und wie Effizienzvorteile im Verhältnis zu den Wettbewerbsnachteilen einer Fusion künftig bei der Fusionskontrolle gewichtet werden sollen.
Die beiden Autoren der cepStudie bekräftigen, dass die wesentlichen Eckpfeiler des Fusionskontrollrechtrahmens auch 20 Jahre nach dessen Einführung Gültigkeit haben. „Es bedarf daher keiner grundlegenden Neugestaltung des Rahmens. Gleichwohl sind gezielte Modernisierungen unerlässlich, um den globalen Herausforderungen und Dynamiken gerecht zu werden“ so Philipp Eckhardt, Ökonom am cep im Fachbereich Finanzmärkte.

Die Autoren schlagen vor, bei der Marktdefinition einen neuen Ansatz zu verfolgen. Nach Auffassung von Anastasia Kotowski, Juristin am cep im Fachbereich Finanzmärkte, „sollte bei der Definition eines geografischen Marktes der globale Wettbewerb, also der Konkurrenzdruck durch Unternehmen aus Drittstaaten, stärker berücksichtigt und ein vorausschauender Blick eingenommen werden“.

Hinsichtlich der Berücksichtigung potenzieller Effizienzgewinne durch eine Fusion empfehlen die Experten, nicht nur kurzfristige, statische Effekte, sondern vor allem langfristige und dynamische Effizienzgewinne stärker anzuerkennen und auch möglichen Effizienzvorteilen außerhalb eines relevanten Marktes mehr Gewicht einzuräumen. Das cep warnt jedoch vor einer pauschalen Bevorzugung strategisch wichtiger Sektoren. „Vielmehr sollten die Leitlinien genauer ausführen, ob und wie strategische Überlegungen bei der Fusionskontrolle Berücksichtigung finden sollen“, fordert Eckhardt.

Die cepStudie wurde mit Unterstützung der Deutschen Börse AG erstellt.