EU Strategic Autonomy Radar
cepStudie

Wirtschafts- & Fiskalpolitik

EU Strategic Autonomy Radar

Dr. André Wolf
Dr. André Wolf
  • Der EU Strategic Autonomy Radar legt die geopolitischen Schwächen Europas offen  
  • Europa nimmt in keinem zukunftsrelevanten Technologiefeld mehr eine globale Führungsrolle in den Lieferketten ein
  • China hat seine Strategie der globalen Technologieführerschaft erfolgreich umgesetzt
  • Die Ergebnisse verdeutlichen die strategischen ökonomischen Schwächen der USA, die sie jetzt geopolitisch kompensieren möchten 

Grönland-Konflikt, chinesische Ressourcen und Strukturwandel: Die geopolitische Lage zwingt die EU dazu, ihre Lieferketten zu diversifizieren, um nicht politisch erpressbar zu sein. In einem neuen „Radar für strategische Autonomie” vergleicht das Centrum für Europäische Politik (cep) die globalen Handelsströme in Schlüsselbereichen der Zukunftstechnologien. Fazit: Europas Lieferketten müssen widerstandsfähiger und zuverlässiger werden.

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Die EU möchte ihre wirtschaftliche Anfälligkeit und Erpressbarkeit verringern. „In Zeiten grundlegender technologischer Veränderungen erfordert dies in erster Linie die Kontrolle über die Lieferketten einer Reihe kritischer Zukunftstechnologien“, sagt cep-Ökonom André Wolf, der den Radar erstellt hat.

Basierend auf der EU-Liste kritischer Technologien misst der „Strategic Autonomy Radar“ den Grad der Autonomie der EU im Vergleich zu Drittländern weltweit in acht kritischen Technologiebereichen. Er unterteilt die strategische Autonomie in zwei Komponenten: die Zuverlässigkeit bestehender Lieferkanäle und die Fähigkeit, im Falle von Störungen auf alternative Lieferkanäle zurückzugreifen. Die Ergebnisse für die größten Volkswirtschaften der Welt zeigen einen großen regionalen Unterschied. Die drei führenden Volkswirtschaften befinden sich in Ost- und Südostasien, wobei China an erster Stelle steht. Dies ist in erster Linie auf ihre geringe Importabhängigkeit und die Konzentration auf zuverlässige Lieferanten zurückzuführen.

Derzeit gehört die EU nur im Bereich „Fortschrittlicher Maschinenbau“ zu den weltweit autonomsten Regionen. Besondere Schwächen bestehen in den Bereichen „Fortschrittliche Werkstoffe“, „Biotechnologien“ und „Energietechnologien“. Dies zeigt, dass eine hohe Forschungsproduktivität allein nicht ausreicht,
um die Sicherheit von Lieferketten zu gewährleisten. „Die EU benötigt einen strategischen Neustart in ihrer Technologiepolitik“, sagt Wolf. „Die Aufgabe der Politik sollte darin bestehen, durch staatliche Unterstützung gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen verschiedenen Lösungen zu schaffen. Dies erfordert einen politischen Ansatz, der sich nicht nur auf die Förderung einzelner Technologiebereiche konzentriert.“ Stattdessen bedarf es zur Stärkung des Technologiestandorts Europa technologieoffen ausgestaltete Förderinstrumente, insbesondere zur Kompensation langfristiger regulatorischer Investitionsrisiken.

 

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EU Strategic Autonomy Radar (veröff. 27.01.2026) PDF 2 MB Download
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