24-11-15

Außergewöhnlich hohe Flüchtlingszahlen

Eine zunehmende Zahl von Menschen macht sich auf den Weg in die EU, um vor Krieg, Folter, Ausgrenzung und Vertreibung in ihren jeweiligen Heimatländern zu fliehen oder um ihrer wirtschaftlichen Not zu entkommen

Eine zunehmende Zahl von Menschen macht sich auf den Weg in die EU, um vor Krieg, Folter, Ausgrenzung und Vertreibung in ihren jeweiligen Heimatländern zu fliehen oder um ihrer wirtschaftlichen Not zu entkommen. Die Flüchtlingszahlen, mit denen sich die EU dieses Jahr konfrontiert sieht, sind außergewöhnlich hoch. Selbst in den 1990er Jahren, zu Zeiten der kriegerischen Auseinandersetzungen in den Balkan-Staaten, hat es solch enorme Flüchtlingsbewegungen wie 2015 nicht gegeben.

Laut jüngsten Schätzungen des UNHCR flüchteten in diesem Jahr bereits knapp 780.000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa. 640.000 davon kamen nach Griechenland, 140.000 nach Italien. Allein im Oktober 2015 kamen 218.000 Flüchtlinge.

Für das Gesamtjahr 2015 gibt es bisher nur Spekulationen über die Zahl der Asylanträge. In jedem Fall sind in der EU weit mehr als jene 672.000 Asylanträge zu erwarten, die 1992, dem Jahr mit der bislang höchsten Zahl, gestellt wurden. Auch die Flüchtlingszahlen zu Beginn des Jahrtausends, u.a. aufgrund von Hungersnöten in Afrika, reichen bei weitem nicht an die heutigen Größenordnungen heran; damals wurden in der Spitze, im Jahr 2001, 424.000 Anträge gestellt.

Von Januar bis September 2015 wurden in der EU 770.300 Asylanträge gestellt, davon mit 288.800, also 37%, die meisten in Deutschland.

Bezogen auf die Einwohnerzahl wurden die meisten Anträge in Ungarn, Österreich und Schweden gestellt; es folgen Deutschland und Malta. Bezogen auf das Bruttoinlandsprodukt, bilden diese fünf Staaten ebenfalls die Spitzengruppe; hinzu kommt, an zweiter Stelle hinter Ungarn, Bulgarien.

Zwischen Juli 2014 und Juni 2015 kamen 19% der Antragsteller aus Syrien, 8% aus Afghanistan, 4% aus dem Irak und 4% aus Eritrea, also insgesamt 35%. 20% kamen aus Balkanländern.

Die höchsten Anerkennungsquoten verzeichnen Flüchtlinge aus Syrien (96%), Irak (87%), Eritrea (84%) und Afghanistan (70%) sowie Staatenlose (87%). Die Anerkennungsquoten für Flüchtlinge aus Balkanländern liegen nur zwischen 1% und 4%.

Philipp Eckhardt, eckhardt(at)cep.eu; Dr. Bert Van Roosebeke, vanroosebeke(at)cep.eu