05.04.16

Schuldenschnitt für Griechenland?

Während in Athen in dieser Woche die griechische Regierung mit ihren Geldgebern über ein neues Hilfsprogramm verhandelt, wird nach Wikileaks-Enthüllungen erneut über einen Schuldenschnitt für Griechenland spekuliert.

Dazu muss man wissen, dass beim Abschluss des dritten Hilfspakets für Griechenland die Geldgeber der griechischen Regierung zugesichert hatten, über Schuldenerleichterungen zu reden. Voraussetzung hierfür ist ein erfolgreicher Abschluss des ersten Reviews.

Die deutsche Bundesregierung sieht keine Notwendigkeit für weitere Schuldenerleichterungen, da Griechenland bereits auf Jahre kaum Zinsen zahlen muss und auch keine Tilgung ansteht. Entscheidend sei, dass das Land einen nachhaltigen Haushalt aufstelle. Ziel bleibe es, Griechenland die Rückkehr an den Kapitalmarkt zu ermöglichen, hieß es dazu zu Wochenbeginn aus dem Hause Schäuble.

Ein nominaler Schuldenschnitt ist vor diesem Hintergrund sehr unwahrscheinlich. Die politischen Kosten in den Ländern, die für das Rettungsprogramm bürgen, wären zu hoch. Ganz ohne Schuldenerleichterung wird es jedoch nicht gehen, da sich die Geldgeber mit dem Versprechen, über Schuldenerleichterungen zu sprechen, quasi bereits zu solchen Erleichterungen verpflichtet haben. Zudem pocht der IWF auf weitere Schuldenerleichterungen. Wahrscheinlich werden sich die Geldgeber und Griechenland auf eine erneute Reduzierung der ohnehin niedrigen Zinsen und/oder eine Verlängerung der Laufzeiten verständigen. Beide Seiten wahren damit ihr Gesicht. Geholfen ist ihnen damit nur wenig.

Dr. Matthias Kullas, Fachbereichsleiter Wirtschafts- und Fiskalpolitik am cep, kullas(at)cep.eu