18.02.15

Abschaffung der Roamingentgelte willkürlich und ineffizient

Warum das von der EU-Kommission verfolgte, politisch getriebene Ziel gleicher Endkundenpreise für Roaming- und Inlandsdienste keinen Sinn macht

Der EU-Vizekommissionspräsident für den Digitalen Binnenmarkt, Andrus Ansip, hat gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters kritisiert, dass die EU-Mitgliedstaaten „derzeit nicht ambitioniert genug“ hinsichtlich der Abschaffung der Roaming-Gebühren in Europa seien.

Unserer Auffassung nach wäre eine schnelle Abschaffung der Roamingentgelte jedoch problematisch. Das von der Kommission verfolgte, politisch getriebene Ziel gleicher Endkundenpreise für Roaming- und Inlandsdienste ist nämlich willkürlich und ökonomisch ineffizient.

Mobilfunknetzbetreiber können eine Preisgleichheit zwischen Inlands- und Roamingdiensten auf Endkundenebene nur dann erreichen, wenn sie eine Quersubvention zwischen Inlands- und Roamingdiensten vornehmen. Das ist ökonomisch ineffizient, weil Preise so nicht länger den Kosten entsprechen.

Die vorgeschlagene Abschaffung des Endkundenentgelts für ankommende Roaming-Anrufe verschärft diese Problematik insbesondere für solche Anbieter, die nicht über eigene Netze im Ausland verfügen. Denn diese Anbieter müssen für die Zustellung jedes Roaminganrufs ins Ausland ein Zustellungsentgelt an den ausländischen Netzbetreiber bezahlen, dürfen dieses aber den eigenen Kunden nicht mehr in Rechnung stellen.

Da sich zum einen dieses Zustellungsentgelt je nach Mitgliedstaat unterscheidet und da zum anderen gerade in den Urlaubszeiten beim Roaming ein Nord-Süd-Gefälle besteht, führt die Abschaffung des Entgelts für ankommende Anrufe zu einer Umverteilung zugunsten der Netzbetreiber in Ländern mit hohen Zustellungsentgelten und der Netzbetreiber in Urlaubsländern.

Philipp Eckhardt, Fachbereich Telekommunikation, eckhardt(at)cep.eu