15.04.14

„Henne oder Ei?“ – EU forciert Aufbau einer Infrastruktur für alternative Kraftstoffe

Der Straßenverkehr wird weiterhin von Fahrzeugen dominiert, die mit fossilen Kraftstoffen betrieben werden. Alternative Antriebstechnologien wie Elektro-, Wasserstoff- oder Erdgasautos setzen sich unter anderem auch deshalb nicht durch, weil zu wenige Tank- oder Ladestationen existieren. Diese lohnen sich wiederum nicht, weil es zu wenige Fahrzeuge mit alternativen Antriebstechniken gibt.

Die Europäische Kommission wollte dieses „Henne-Ei-Problem“ lösen, indem sie die Mitgliedstaaten mit einer Richtlinie dazu verpflichten wollte, eine bestimmte Mindestanzahl an Erdgas- und Wasserstofftankstellen sowie an Stromladestationen aufzubauen. Die Richtlinien beinhaltete besonders ehrgeizige Vorgaben für Elektrofahrzeuge: So sollten z.B. bis 2020 in Deutschland mindestens 1,5 Millionen Ladestationen errichtet werden. Diese Zahl war nicht nur sehr ambitioniert; sie war auch unabhängig von der tatsächlichen Anzahl an Elektrofahrzeugen in 2020 und barg ein hohes Risiko an Fehlinvestitionen [s. cepAnalyse]

Während das Europäische Parlament den Richtlinienvorschlag der Kommission [COM(2013) 18] weitestgehend unterstützt hat, plädierten die Mitgliedstaaten dafür, den Ausbau der Elektroladestationen selbstständig festzulegen. Im März haben sich Kommission, das Europäische Parlament und der Ministerrat nun darauf geeinigt, dass die Anzahl der öffentlichen Elektroladestationen mindestens einem Zehntel der zugelassenen Elektrofahrzeuge entsprechen soll. Fehlinvestitionen werden dadurch zwar nicht verhindert, aber zumindest stärker begrenzt.

Eine Einigung wurde erfreulicherweise auch bei der EU-weiten Normierung der Ladestationen erreicht. So sollen alle Ladestationen mit „Typ 2“-Steckern (besser bekannt als Mennekes-Stecker) ausgestattet werden [s. cepMonitor].

Moritz Bonn, Fachbereich Energie | Umwelt | Klima | Verkehr